Nachhaltigkeit – immer der Königsweg

Nachhaltigkeit steht für dauerhaft, nicht nur vorübergehend. Also ohne dass immer wieder weitere Maßnahmen nötig sind, um ein Ziel zu erreichen. Genau so sollte eine Behandlung sein: heilend und nicht nur hilfreich, ursächlich und nicht nur symptomatisch therapierend. Leider ist unsere Medizin davon noch weit entfernt. Häufig weiß sie es nicht einmal. Daher kämpfen wir meist erfolglos mit  immer zahlreicheren chronischen Gesundheitsproblemen und vielen unerwünschten Nebenwirkungen. Natürlich spielt hier auch die steigende Lebenserwartung eine große Rolle. Allerdings scheint das Verständnis für die Bedingungen, die zu chronischen Krankheitszuständen führen, wenig ausgeprägt zu sein. Daher soll hier die Rede davon sein, unter welchen Voraussetzungen eine Therapie nachhaltig wirksam ist und wann nicht. Das betrifft Beschwerden aller Art aber insbesondere Schmerzen.  

Lokale Probleme

Wenn wir irgendwo Schmerzen haben, suchen wir nach einer Therapie, die sich am Ort des Problems orientiert. Man will das Missvergnügen an der Stelle XY, also beispielsweise am unteren Rücken, möglichst schnell und gezielt beseitigen. Und zwar genau da, wo es weh tut. Also schmiert man eine lindernde Salbe auf  die betroffene Körperstelle. Gerne wird dort auch eine Spritze genommen oder  eine entspannende lokale Massage.  Soweit so gut. Das funktioniert meistens auch. Vorausgesetzt, wir haben es mit einer erst kürzlich entstandenen Problematik zu tun. Es muss sich also um eine Störung handeln, die erst vor kurzem, gemeint sind hier einige Wochen,  am Schmerzort aufgetreten ist und dort ihren Ursprung, ihre Ursache hat. Beispiele: Beinschmerzen nach einem „Pferdekuss“ beim Fußballspiel, oder Halswirbelbeschwerden nach einer Verrenkung beim Einparken. Hier handelt es sich um lokale Probleme, die auch gut lokal behandelbar sind. Also keine Schwierigkeiten mit der Nachhaltigkeit. 

Systemprobleme: Ursache für mangelnde Nachhaltigkeit

Natürlich gibt es mehr als einen Grund für fehlende therapeutische Nachhaltigkeit. Die allgemeine körperliche Fitness wäre hier zu nennen oder auch eine seelische Verfasstheit, die möglicherweise einer systematischen, regelmäßigen Behandlung entgegensteht. Auch der Wunsch aller Patienten – meiner wäre es auch – nach einer möglichst schnellen Besserung der Beschwerden kann Nachhaltigkeit verhindern. Das ist oft dann der Fall, wenn immer nur kurzfristig wirkende Medikamente eingesetzt werden, beispielsweise Cortison oder Schmerzmittel. Die Beschwerden werden damit immer nur weggespritzt oder weggeschluckt, kommen dann aber wieder. Warum? Weil sie nur die Spitze eines Eisberges sind, den man nicht erkennt oder erkennen will. Der verborgene Eisberg stellt die Bezüge dar, den der Schmerz hat, sein Netzwerk.

Chronische Schmerzen – eine Softwarestörung

Dieses Netzwerk wird von den beteiligten Körperbereichen gebildet. Dabei  handelt es sich beispielsweise um Muskeln, Faszien, Nerven, Nervensystemen oder Wirbelgelenke. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Schmerzmatrix. Wir haben es damit mit einem Systemproblem zu tun – vergleichbar mit einer Software-Störung. Bei den Bezügen kann es sich um Verbindungen zu anderen Wirbelsäulenbereichen handeln, wo ebenfalls Störungen, Blockaden vorliegen. Oder einfach um die Tatsache, dass die Beschwerden schon seit längerem bestehen, also seit Monaten oder gar Jahren. Vielleicht sind sie in der Vergangenheit in einem immer leicht abgewandelten Erscheinungsbild aufgetreten, so dass man diese Bezüge nicht so ohne weiteres herstellt. Natürlich will man die ganze Angelegenheit ja auch möglichst niedrig hängen und redet sich dann so manches schön. Unter diesen Bedingungen muss eine Lokaltherapie versagen. Die therapeutische Nachhaltigkeit ist gefährdet. 

 

 

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